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12.12.2009 09:21

Lockerer Plausch mit "Mephisto"

Nach einem Besuch des "Faust" lernten Schüler einen Hauptdarsteller kennen


Im Rahmen von "Theater in der Schule" war "Mephisto" Boris Pietsch zu Besuch im Ludwigsgymnasium. Die Schüler bombardierten ihn mit Fragen und der Schauspieler nahm kein Blatt vor den Mund.

Saarbrücken. Wie viele Seiten hat der Text für die Saarbrücker Faust-Inszenierung? Wie lange braucht man als Schauspieler, um ihn zu lernen? Muss man am Staatstheater ein Casting machen, um an eine Rolle zu kommen? Und: "Spielen Sie gern die Bösen?" Boris Pietsch kommt kaum mal dazu, an seinem Kaffee zu nippen. Fragen über Fragen, die die Schülerinnen und Schüler des Deutschleistungskurses Stufe 11 am Ludwigsgymnasium am Donnerstag an ihrem prominenten Gast richten. Zwei Tage vorher haben sie mit ihrer Lehrerin Ulrike Niederländer den "Faust" im Staatstheater angesehen. Und nun sitzt ihr "Wunschkandidat", der Mephisto-Darsteller, hier in ihrer Klasse, zum Anfassen nah.

Da heißt es, die Gelegenheit nutzen. Nun ja, meint Boris Pietsch, als Mephisto habe man es viel leichter, sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen, als der Faust. "Denn Mephisto flirtet ja stark mit dem Publikum und lässt seinen Charme spielen." Dass er zum ersten Mal im Rahmen des theaterpädagogischen Services, begleitet von Vera Kalb, eine Schule besucht, um über seine Arbeit zu sprechen, merkt man dem Schauspieler nicht an. Locker und mit Charme reagiert er auf den Wissensdrang der Schüler, da ist das Eis schnell gebrochen. Er spiele gern "Typen, die mit der Existenz ringen", verrät der gebürtige Leverkusener, "aber nur Bösewichte find ich auch langweilig." Die Gefahr bestehe jedoch, dass das Publikum und die Theaterleitung jemanden gern auf böse Rollen festlegen wollen, wenn man sie gut macht.

Hartes Schauspielerleben

Erst mit 27 Jahren sei er auf die Schauspielschule gegangen, habe sich dann in Wien in der Freien Szene durchgeschlagen, Musik und Filmprojekte gemacht, erzählt Pietsch, heute 38 Jahre alt, freimütig über sein Leben. "Eine Zeitlang hatte ich keinen Cent, keine Wohnung, habe von Sozialhilfe gelebt, aber das war auch spannend". In Saarbrücken sei er aus Zufall gelandet. Er habe das Ophüls-Festival besucht, um Filmprojekte zu besprechen, eine Saarbrücker Bekannte gab ihm den Tipp, am Staatstheater sei eine Stelle frei. Ob er hier zufrieden sei? "Nicht so ganz", gesteht Pietsch. Die Freundin wohne weit weg, in München, Saarbrücken liege zu weit ab vom Schuss, als dass die Großkritiker den Weg hierher finden. Und als festengagierter Schauspieler habe man wenig Zeit, um auch anderen Projekten nachzugehen. Etwa Hörspiele machen oder, wie früher mal, Filmstudenten unterrichten.

Sie möchte später mal mit Jugendlichen Theater machen, sagt eine Schülerin auf Pietschs Frage, ob jemand in der Klasse den Schauspielberuf anstrebe. Als Schauspieler am Theater zu arbeiten, das wisse sie von ihrer Tante, das sei viel zu anstrengend.

Von SZ-Mitarbeiterin Silvia Buss


Von: SZ-Mitarbeiterin Silvia Buss